Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik

Schleswig-Holstein e.V

17. September 2014

SGK-Mitgliederversammlung/TTIP
Beschluss der SGK-Mitgliederversammlung zum TTIP

Flagge der Europäischen Union
Foto: Yanni Koutsomitis - CC BY 2.0

For­de­run­gen an Frei­han­dels­ab­kom­men wie TTIP oder CETA

Die SGK Schles­wig-Hol­stein lehnt das Frei­han­dels­ab­kom­men zwi­schen der Euro­päi­schen Uni­on und den USA (Trans­at­lan­tic Tra­de and Invest­ment Part­nership – TTIP) in der bis­her zwi­schen der EU-Kom­mis­si­on und den USA dis­ku­tier­ten Form ab. Die Kom­mu­nal­po­li­ti­ker sind in Sor­ge, dass mit dem Abkom­men die Demo­kra­tie in den EU-Mit­glieds­staa­ten aus­ge­he­belt wer­den könn­te, wenn künf­tig inter­na­tio­na­le Kon­zer­ne ihre Inter­es­sen gegen­über den von der Poli­tik gesetz­ten sozia­len und öko­lo­gi­schen Stan­dards durch­set­zen wür­den. Im Zuge des Frei­han­dels­ab­kom­mens soll es näm­lich Kon­zer­nen erlaubt wer­den, Staa­ten wegen „nicht­ta­rifä­rer Han­dels­hemm­nis­se“ unter Andro­hung von Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen vor einem pri­va­ten Schieds­ge­richt zu ver­kla­gen. Die SGK fürch­tet dabei mas­si­ve Ein­grif­fe in die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung.
Die Sor­ge gilt eben­falls für das inzwi­schen den Län­dern zur Stel­lung­nah­me zuge­lei­te­te Han­dels­ab­kom­men CETA mit Kana­da.

Die SGK for­dert von der EU-Kom­mis­si­on, dem Euro­päi­schen Par­la­ment, von Bun­des­re­gie­rung und Bun­des­tag sowie von der Lan­des­re­gie­rung im Ein­zel­nen:

  • eine brei­te öffent­li­che Dis­kus­si­on, um ein sozia­les und öko­lo­gi­sches Ver­hand­lungs­man­dat auf bei­den Sei­ten ohne Geheim­ver­hand­lun­gen und eine umfas­sen­de Nach­hal­tig­keits­prü­fung von unab­hän­gi­ger Sei­te;
  • den Schutz öffent­li­cher Dienst­leis­tun­gen und öffent­li­cher Daseins­vor­sor­ge. Ein­grif­fe in die kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung dür­fen sich aus dem Abkom­men nicht ablei­ten las­sen.
  • kei­ne Zulas­sung von Risi­ko-Tech­ni­ken wie zum Bei­spiel der Gas-Gewin­nung mit­tels »Fracking«;
  • kei­ne spe­zi­el­len Inves­ti­ti­ons­schutz­vor­schrif­ten, die in einem Abkom­men zwi­schen den USA und der EU nicht erfor­der­lich sind, da bei­de Part­ner hin­rei­chen­den Rechts­schutz vor natio­na­len Gerich­ten gewäh­ren;
  • den Erhalt und den Aus­bau der euro­päi­schen Umwelt­po­li­tik nach dem Vor­sor­ge- und Ver­ur­sa­cher­prin­zip statt ihrer Unter­ord­nung unter die Frei­han­dels­lo­gik und völ­li­gen Ver­zicht auf Kon­zes­sio­nen an die ame­ri­ka­ni­sche Export-Indus­trie;
  • den Schutz einer umwelt­ge­rech­ten Land­wirt­schaft und die Abwehr einer Agrar­in­dus­trie auf bei­den Sei­ten des Atlan­tiks und statt­des­sen die För­de­rung eines fai­ren Han­dels­sys­tems, das die Inter­es­sen selb­stän­di­ger Land­wir­tin­nen und Land­wir­te berück­sich­tigt und nicht die Inter­es­sen der Agrar­in­dus­trie bedient;
  • die Sicher­stel­lung hoher Ver­brau­cher- und Gesund­heits­stan­dards und eine umfas­sen­de Kenn­zeich­nungs­pflicht von Inhalts­stof­fen und Her­stel­lungs- und Behand­lungs­me­tho­den zwin­gend – auch für ver­ar­bei­te­te Pro­duk­te;
  • den ver­bind­li­chen Schutz von Arbeits- und Men­schen­rech­te durch kla­re und durch­setz­ba­re Rege­lun­gen, wobei die Kern­ar­beits­nor­men der ILO Min­dest­be­din­gun­gen sind;
  • den Schutz und die För­de­rung der Viel­falt kul­tu­rel­len Aus­drucks­for­men statt wei­te­rer Libe­ra­li­sie­rung und die Beach­tung der ent­spre­chen­den UNESCO-Kon­ven­ti­on;
  • die Regu­lie­rung des Finanz­sek­tors und den Abbau öko­no­mi­scher Ungleich­ge­wich­te statt mehr Dere­gu­lie­rung und Frei­han­del.
  • den Schutz von Inno­va­tio­nen, Bil­dung und Infor­ma­ti­ons­frei­heit statt noch mehr Exklu­siv­rech­ten an „geis­ti­gem Eigen­tum“ der Kon­zer­ne;
  • die Stär­kung regio­na­ler Wirt­schafts­kreis­läu­fe auch durch euro­päi­sche Rege­lun­gen zum nach­hal­ti­gen oder regio­na­len Beschaf­fungs­we­sen;
  • Posi­tiv­lis­ten für zu regeln­de Berei­che.

Die­se For­de­run­gen müs­sen auch bei den anste­hen­den Bera­tun­gen zum Euro­pä­isch-Kana­di­schen Han­dels­ab­kom­men CETA berück­sich­tigt wer­den.

Die SGK ver­tritt die Auf­fas­sung, dass es sich bei den Han­dels­ab­kom­men um „gemisch­te Abkom­men“ han­delt, bei denen in Deutsch­land auch Bun­des­rat und Bun­des­tag, zustim­men müs­sen.

Ein Kommentar

  1. Otto Hübner sagt:

    Den oben auf­ge­führ­ten For­de­run­gen stim­me ich voll zu.
    Otto Hüb­ner OV Schafflund

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