Sozialdemokratische Gemeinschaft für Kommunalpolitik

Schleswig-Holstein e.V

Mediation in Politik und Verwaltung

Thies Thiessen und Helmut Trost
Bürgermeister a.D.

Plädoyer für eine eigenverantwortliche Konfliktregelung

Der kommunalpolitische Alltag ist geprägt durch eine Vielzahl von Konflikten – mit und zwischen Interessengruppen unterschiedlichster Art. Kaum ein größeres kommunales Projekt läßt sich heutzutage reibungslos und konfliktfrei verwirklichen. Erschwerend kommt hinzu, dass für viele Verwaltungen Partizipation und Transparenz immer noch Fremdworte sind. Die Folge: Der kommunale Mandatsträger arbeitet permanent in einer Konfliktlandschaft, die unnötig Energien bindet und effizientes Arbeiten erschwert. Eine Vielzahl von Akteuren und Interessengruppen – Bürgervereinigungen, Verbände, Vereine, Institutionen und Lobbyisten – sorgt dafür, dass der Kommunalpolitiker in eine Schiedsrichterrolle gedrängt oder zur Durchsetzung von Positionen instrumentalisiert wird. Die äußeren Konflikte werden in Partei und Fraktionen hineingetragen, die Konfliktlandschaft spiegelt sich dort wieder. Zusätzlich wird die kommunalpolitische oder parteiliche Arbeit durch persönliche Konkurrenzen, durch innerparteiliche Auseinandersetzungen oder durch Gegensätze zwischen Fraktion und Parteiorganisation erschwert. Die Folgen sind nicht nur Effizienzverluste, sondern auch Demotivierung der Aktiven sowie Schwierigkeiten bei der Rekrutierung politischen Nachwuchses. Sie belastet letztlich auch die Beziehungen zwischen den Akteuren, die im Regelfall aufgrund der örtlichen Situation auf anderen Themenfeldern neu oder weiter zusammenarbeiten müssen. Wie kann hier gegengesteuert werden?

Was die einen gewinnen, verlieren die anderen!

Positionsdenken beherrscht den Alltag der Kommunalpolitik und der Parteiarbeit. Forderungen werden gestellt, konkrete Anträge formuliert, Positionen bezogen. Diese führen – häufig reflexhaft – zu Gegenpositionen. Durch die dann fest umrissenen Standpunkte wird Kommunikation erschwert, werden Verhandlungsmöglichkeiten beschränkt. Wer Position bezieht, wer Ansprüche durchsetzen will, der schafft dem Grundsatz nach Gewinner-Verlierer-Situationen. Was die einen gewinnen, verlieren die anderen. Konflikte werden als Kampfsituation verstanden, dies führt zu Emotionalisierung und Eskalation. Die Komplexität von Konflikten wird nicht mehr deutlich. Häufig ist nicht erkennbar, welche Interessen eine Rolle spielen. Ängste und Sorgen, verdeckte Wünsche und Nicht-Formuliertes bleiben in der Auseinandersetzung um Positionen im Verborgenen.

Von Positionen zu Interessen!

Ziel von Mediationsverfahren ist es, die hinter den Positionen der Konfliktparteien liegenden Interessen herauszuarbeiten. Auf ihrer Grundlage entwickelt der Mediator mit den Konfliktparteien gemeinsam eine tragfähige und akzeptable Lösung. Ziel ist es, Optionen zum beiderseitigen Vorteil zu entwickeln. Über Interessen und nicht über Positionen zu reden, erleichtert es den Parteien, sich in die Rolle des anderen hineinzuversetzen. Denn Interessen motivieren das Verhalten von Menschen, prägen ihre Entscheidungen und lösen damit die Positionierung aus

Was ist Mediation?

„Mediation ist ein Prozess, in dem eine unparteiische dritte Partei – ein Mediator – die Lösung eines Konfliktes erleichtert, in dem er eine freiwillige Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien fördert (Eigenverantwortlichkeit der Parteien). Ein Mediator erleichtert die Kommunikation, fördert das gegenseitige Verständnis, richtet das Augenmerk der Parteien auf deren Interessen und sucht mit ihnen kreative Problemlösungen, um die Parteien in die Lage zu versetzen, ihre eigene Vereinbarung zu erreichen.“ Quelle: MEDIATOR GmbH, Oldenburg.